Basteibrücke in der Sächsischen Schweiz

Die erste Tour: Sächsische Schweiz – Ist das Deutschland?

Sonntag, 23:25 Uhr, ich liege im Bett, atme tief ein. Meine Füße summen, nur noch knappe 7 Stunden und der Akku ist mehr als leer. Ich schließe die Augen und alles verschwindet.

Nur die Bilder bleiben…die wunderbaren Bilder des Tages.

Die 3-jährige Reiseflaute durch ständige Ausreden waren genug. Zeit endlich raus zu kommen, das Leben zu bestaunen und anzufassen. Auf der Suche nach einem tollen Wanderdomizil, erzählte mir eine liebe Freundin von Ihrem Trip ins Elbsandsteingebirge und setzte somit Ende Juli 2016 unser erstes  Ziel.

Was nehm ich mit?

 Turnbeutel auf und los

Ausgerüstet mit der wetterfesten Wanderkarte der Sächsischen Schweiz von Rolf Böhms (Maßstab:1:30 000) einem Fotoapparat, ein paar Lebensmitteln im Rucksack sowie etwas Geld im Portmoney und bequemen Turnschuhen starten wir in Leipzig um 7:00 Uhr. Zielort unseres ersten Trips ist der Parkplatz direkt an der Elbe in der Stadt Wehlen. Von hier soll es losgehen zur beliebten Basteiaussicht und Basteibrücke, von dort über den Kurort Rathen zum Lilienstein, den Abschluss soll die Festungsanlage Königsstein machen.

Der Basteiaufsteig

Vom Parkplatz in der Stadt Wehlen entlang am idyllischen Elbufer erreichst du schnell einen der Aufstiege zur Bastei. Es gibt dabei nicht DEN richtigen Weg. Entscheide einfach nach Bauchgefühl. Unsere Wahl: der Malerweg. Ein toller Einstieg in die erste Tour.

Die Bastei

Das Basteigebiet ist ganz klar ein Touristenmagnet. Da selbst die überfüllten Reisebusse bis nach oben fahren, ist das mit Kamera präparierte Publikum natürlich groß, sodass man sich von der romantischen Vorstellung einer einsamen Basteiaussicht verabschieden kann. Und dennoch empfehlen wir dir unbedingt den Aufstieg. Der Ausblick, wenn man ihn denn ergattert hat, ist phantastisch. An dieser Stelle vielleicht ein Hinweis: dreh die Route doch einfach um und besuche die Bastei in der Abenddämmerung. Sonntags lohnt es sich besonders, da die meisten Ihre Rückreise antreten.

Vorbei an ein paar wenigen Hotelanlagen eröffnet sich oben endlich die Postkartenlandschaft mit ihren hohen Felsriesen, die aus hohen Nadelwaldarealen heraus ragen wie Tropfen einer Tropfsteinhöhle. Rings um das Gebiet sind überall Aussichtsplattformen, die wir uns zwar mit mehreren anderen teilen müssen, aber dennoch eine phantastische Kulisse für tolle Fotos bieten.

Platzangst ?

Zur Enge und zum Platz im gesamten Gebiet möchten wir dir sagen, ES IST OK. Sollte dich fehlender Raum beklemmen, begebe dich einfach nicht auf die kleinsten Aussichtsplattformen, da der Zu-und Abgang manchmal mit etwas Körperkontakt und etwas Wartezeit verbunden ist. Das Miteinander empfanden wir dort jedoch als sehr freundlich und rücksichtsvoll.

Schlenderlaune?

Na klar. Souvenirliebhaber werden auch hier rund um auf ihre Kosten kommen. Möchtest du dich oben nochmal stärken, hast du hier die Möglichkeit für ein paar Euro dir Snacks wie Bratkartoffeln, Würstchen oder Pommes zu gönnen. Rund um den Imbissplatz sind genug Bänke um die Steinriesen bei einer guten Mahlzeit auf sich wirken zu lassen.

Blätter

Über die Basteibrücke hinüber hast du im Anschluss die Möglichkeit dir für ein paar Euro die Festung anzusehen. Mit genug Bastei-Eindrücken im Gepäck und der Suche nach etwas weniger Menschenandrang sparen wir uns jedoch diesen Gang und machen uns auf direktem Weg zum Kurort Rathen.

Der Weg zum Lilienstein

Von hier aus kommen wir über Wiesen und Waldabschnitte zum Lilienstein. Nimm dir die Zeit und lass die Seele baumeln. Für uns ist der Abschnitt quer feldein mit Blick auf den Lilienstein besonders  schön, da wir hier zum ersten Mal das Gefühl haben, uns wirklich frei zu wandern und unseren Gedanken Luft zu verschaffen. Auf diesem geraden Abschnitt kannst du nochmal Kraft tanken für den anstehenden Aufstieg.

Weg zum Lilienstein

Der Lilienstein

Knappe 409m heißt es hier zu  erklimmen. Die blauen Markierungen zeigen dir dafür die Richtung. Bist du oben  angekommen, darfst du deine Höhentauglichkeit auf die Probe stellen.

Luftiger Spielplatz

„Ach du Sch…“ Meine Höhenangst macht mir zu schaffen. Solche Strecken haben wir nicht erwartet und die weiteren Meter werden zur verdammt harten Herausforderung. Der Weg zum Kind zurück, scheint schwerer als gedacht. Hier kann ich nur jedem mit Höhenangst raten, traut euch an dieser Stelle! Lasst die Angst zu und heilt euch selbst! Ich als ernsthafter Höhenschisser, bekennende Heulsuse in Riesenrädern, wanke mich fluchend mit wackligen Waden über das Gerüst. Die Belohnung dafür ist ein traumhafter Rundumblick.

Höhenangst auf Brücke

Der nasse Riese

Oben angekommen hast du die Möglichkeit, in einem urigen Restaurant neue Kräfte zu sammeln und bei einer warmen Mahlzeit auf andere Wanderer zu treffen. In unserem Fall müssen wir durch den einsetzenden Regen eine Zwangspause einlegen. Da die Wetterfee es ab da an nicht gut mit uns meint, ist es Zeit für den Rückweg.

Als Tipp: Am gesamten Elbufer verläuft eine Eisenbahnlinie, die in unserem Fall die schnellste Verbindungsstrecke zurück ist. Um zu der Bahn zu gelangen, läufst du zunächst ausgehend von oben den blauen Pfad wieder hinunter in Richtung Halbestadt.

Festung Königsstein muss warten

Mit Blick auf die Festung vergessen deine Füße jeden gelaufenen Kilometer.

Blick auf Festungsanlage Königsstein

Rücktour mit Kahn & Bahn

In Halbestadt angekommen setzen wir mit der Fähre über. Sie kostet dich für Hin- und Rückfahrt insgesamt nur 4€. Voraussetzung: löse das Ticket innerhalb von 2 Stunden ein. Die Fährfahrt ist kurz, aber durch den so gut gelaunten Fährmann an Bord eine herrliche Abwechslung zum schlechten Regenwetter an diesem Sonntagnachmittag. Hast du noch Zeit und blauen Himmel über dir, wander auf jeden Fall noch zur Festung Königsstein hinauf. Der Aufgang ist kaum zu verfehlen. Wir selbst müssen sie leider als Streckenziel streichen, trösten uns aber vom Bahnhof aus mit einem wunderbaren Blick hinauf.

Bahngleis

Für den Rückweg nehmen wir durch zunächst mangelnde Orientierung nach etwa einer halben Stunde die Bahn in Richtung Pirna und kommen nach wenigen Haltestellen wieder am gegenüber liegenden Ufer vom Parkplatz in der Stadt Wehlen an. Um zum Auto zu gelangen, kannst du von dort nun einfach dein gekauftes Ticket einlösen und fährst mit der Fähre wieder ans andere Ufer.

Schlemmen und Schwelgen

Nach einem Tag voller herrlicher Ausblicke und neuer Emotionen nehmen wir uns abschließend etwas Zeit für das wunderschöne Örtchen Wehlen. Zeit zu entspannen und genießen bei einem warmen Abendessen zum ersten mal die Erfahrung von wohltuend brennender Füße.

Caro & Chris

Fazit zur ersten Wanderung in der Sächsischen Schweiz?

Obwohl die Tour eher zu den Einsteiger-und Touristenrouten zählt, begeisterte sie uns so sehr, dass  wir nun schon insgesamt 4-mal innerhalb von 3 Monaten Rucksack und Wanderkarte ins Auto gepackt und die knappen 2 Stunden Fahrt für eine Tour in Kauf genommen haben.

In der Schwierigkeitsbeurteilung gehört diese Tour vielleicht eher in die Kategorie der leichten bis mittelschweren Strecken, ist aber durch ihre wunderbaren Ausblicke eine der aussichtsreichen Routen.

Die sächsische Schweiz ist zu unserem ersten Steckenpferd geworden. Hier können wir uns erproben und trainieren. Von hier fing alles an. Diese Tour setzte nicht nur den Grundstein des Verlangens nach Freiluft und unvergesslichen Orten sondern auch den Startpunkt dieser Seite.

Eckdaten

Stadt Wehlen ­­– Bastei  – Lilienstein – Bahnhof Königstein – Stadt Wehlen

Wanderstrecke ohne Rückfahrt mit der Bahn:  15,2 km

Reine Wanderzeit:  ~ 5 Stunden

Gesamtzeit der Tour:  ~ 7 Stunden

Aufstieg:  619 m

Abstieg:  602 m

Routenkarte

Karte Tour 1

Die Route ist leider nur bis zur Überfahrt zum Königsteiner Bahnhof aufgezeichnet, die Rückreise mit der Bahn kannst du aber anhand des Flussverlaufs gut nachvollziehen. Hier geht’s zur Route auf outdooractive.com

Bildergalerie


Lust auf Tipps?

Hier füttern wir dich mit unseren ersten Tipps, schmunzeln über eigene tollpatschige Fehler und versorgen dich mit wertvollen Einsteiger-Infos rund ums Thema Wandern in der Sächsische Schweiz.

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Hey, ich bin Caro. Leidenschaftliches Outdoor-Mädchen, chronische Wohnsitznomadin und ständig in Bewegung. Umso entfernter die Couch, desto glücklicher bin ich. Wenn nicht mit der Natur unter den Füßen, entfliehe ich dem Alltag sonst gern mit der Nase in Reiseberichten und Outdoor-Blogs. Planen. Recherchieren. Inspirieren. Auf Bergstorming berichte ich über unsere Reisen und füttere dich mit wertvollen Infos zu Vorbereitungen, Wanderrouten, Hot-Spots und Insides. Komm einfach mit!

2 Kommentare
  1. antworten HappyHiker 10. November 2016 at 11:51

    Schöne Tour und sehr schöne Bilder! Falls Ihr mal länger im Elbsandsteingebirge unterwegs sein wollt, dann schaut Euch doch mal den Malerweg an. Wir haben die 8 Etappen Ende Oktober 2016 durchwandert und berichten darüber unter https://happyhiker.de/tag/malerweg/ (der Bericht der ersten Etappe ist bereits online). Liebe Grüße aus München … Stefan

    • antworten Chris 10. November 2016 at 13:50

      Hey Stefan,
      vielen Dank für dein Feedback. Wir waren auch schon kurz bei dir, haben aber noch nicht intensiv genug reingelesen um von uns hören zu lassen. Wird auf jeden Fall nachgeholt.

      Wir waren ja ab und an auch auf dem Malerweg. Bin sehr gespannt, was du noch zu berichten hast. Wir waren nicht zum letzten mal in der Sächsischen Schweiz. Vielleicht ziehen wir das auch bald mal komplett durch!

      Beste Grüße
      Chris

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