Chris Maty Staw

Im eisigen Nebelmantel des Riesengebirges – Ausblick mit Sturmlampe

Wo ist die Baude?! Siehst du was? Was zum Teufel hat uns der Hotelier da erzählt? Eine halbe Stunde? Dieser ätzende Schnee, Mist, ich seh nichts! Chris.. bist du noch hinter mir? Chris…? Bist du noch da? Chriiiis…?

Das Ende vor dem Anfang

Staksend durch den eisigen Wind, stolpern wir am Rand unserer Kräfte dem Lichtkegel der Stirnlampe hinterher.  So oder so ähnlich, verlief wohl das Ende des Tages. Aber gehen wir nochmal zurück an den Anfang!

Du willst wissen wie wir hier gelandet sind, dann stöbre doch in diesen Artikel rein.

Ankommen oder so ähnlich

Das hell glimmende Licht leitet dir den Weg durch die letzten Nebelschwaden und du beginnst beim Anblick der dunklen Fenster zu flehen, dass dieses riesige Ding vor dir doch bitte, bitte, biiiitteeeee…geöffnet hat!

LUCNI BOUDA – Sehr beliebt aufgrund ihrer wunderbaren Lage. Nur wenige Meter von der Schneekoppe entfernt, bietet sie dem Wanderherz die perfekte Ausganglage für eine Tour zur alten Sněžka. Als das höchst gelegene Hotel Mitteleuropas mit seinen 1410 m ü.d.M. und der Gründung im 16. Jahrhundert, macht die Wiesenbaude eine wirklich gute Figur.

Mit dem Zorn von Frau Holle im Nacken und Schneegestöber im Gesicht, stehst du dann irgendwann vor diesem Ding, blickst ein letztes mal noch mal um dich auf der vergeblichen Suche nach der Schneekoppe und willst nur noch hinein in die hölzerne alte Dame vor dir. Und dann..die Klinke bewegt sich und die Tür schwenkt dich ins Innere der Hütte.

Leer!? Keiner zu Hause oder was? Nicht euer Ernst!

Chris Wiesenbaude Tschechien

Ein menschenleerer Eingangsbereich empfängt seine bibbernden Gäste und so langsam beginnst du dich mit dem Gedanken an deinen Schlafsack im Rucksack anzufreunden.

Hier schlafen? Oh man, bitte, bitte …NICHT!

Eine Treppe führt uns nach oben, wohin? Ins Foyer! – Juhuuuuu – Über beide Ohren strahlend und das Herz plumpsend auf den Dielen, können wir es nicht fassen. Ein freundlicher Tscheche lächelt uns entgegen und referiert uns in seinem perfekten Englisch das Angebot des Hauses. Endlich!

Eingecheckt ins Standartzimmer, rupfst du dir nur noch die nassen Sachen runter und stehst für eine knappe 3/4 Stunde bewegungs- und fassungslos unter der Dusche.

Krasser Tag!

Schuhe Wiesenbaude

Mit aufgetanktem Übermut

Die Uhr zeigt 15:45 Uhr und der Typ an der Anmeldung hat doch was von einem See direkt um die Ecke erzählt. Hmmh…die Füße können wieder treten, die Beine wieder laufen?! In einer Stunde zum Mały Staw (kleiner Teich) hin und zurück? Gedankenvertieft sitze ich in meinen trockenen Wechselsachen auf dem Bett und starre aus dem Fenster. Jap! Ausruhen kann ich Nachts und schlafen in der Kiste!

Caro im Schnee Salomonjacke

Ab ins Nasse mit dem Trocknen

Ohne viele Worte an dieser Stelle läufst du auf dem gelben Pfad wieder mal ins Nichts. Nicht dass sich Frau von und zu Schneekoppe mal sehen lassen würde. Nein, direkt vor der Nase und doch nirgends zu entdecken.

An der Kreuzung Równia pod Śnieżką führt uns der Weg nach rechts, ein kurzes Stück entlang des roten Hauptkamms. Nach wenigen Metern landen wir schließlich auf den blauen Pfad in Richtung Mały Staw. Die aufkommende Vegetation um uns herum, lässt uns hoffen. Grün, grüüün, grüüüüün, wie die Hoffnung auf ein bisschen Aussicht.

Awwwhhh, hallo du kleines Bäumchen Immergrün!

Die Neigung des Berges verläuft zum ersten mal dieses Tages ABWÄRTS?! Wieso eigentlich abwärts. Hinzu kommt, dass sich zum ersten mal des Tages der Nebel sanft lichtet, nicht vollständig aber soweit, dass wir endlich mal sehen wo wir überhaupt sind. Vom See auf der linken Seite nur ein Hauch zu erahnen, öffnet sich in der Dämmerung für einen kurzen Moment endlich die Nebelwand.

Mit staksigen Schritten den Pfad hinunter glitschend, können wir unser Glück kaum fassen. Bringt uns die einbrechende Dämmerung vielleicht doch nochmal den ein oder anderen Schnappschuss?

Ohhhh..jetzt schnell, schnell, schnell!

Mit der Aussicht kommt das Glück

aussicht tschechien seeKennt ihr diese Bilder, die auch nach mehreren Jahren immer wieder ein gleichbleibendes und unglaublich mitreißendes Gefühl hinterlassen. Die Wolken schieben sich auf und schenken dir nur für einen Augenblick ein Kurzzeit-Fenster der Hoffnung. Du atmest tief ein und fühlst dich genau in diesem Moment wieder dort stehen. Die Kälte um die Nase wirbelnd und das Herz voller Glück. Dieses Bild ist wohlmöglich so eins.

Im Rückwärtsgang zurück

Der Weg führt nach unten, verflixt nochmal, weit nach unten. Im Zwiespalt setze ich einen Fuß vor den anderen und überlege.

Da die Dämmerung schon längst eingesetzt hat, die eigenen Kräfte schon wieder an ihre Grenzen kommen und der aufkommende Sturm vor uns nach einem Tag wie diesen nicht wirklich zur Wanderlaune beitragen, geht es zurück in Richtung Unterkunft.

Den Pfad gerade unter den Füßen gehabt, zieht sich der Rückweg in die Länge. Wieder bergauf, fordert der Anstieg uns zum letzten mal des Tages heraus und zwingt uns fast in die Knie. Du kommst an den Punkt, an dem dir zum ersten mal das Zitat wie ein Blitz durch den Kopf schießt.

Ein Gipfel gehört dir erst, wenn du wieder unten bist – denn vorher gehörst du ihm.

Von Weiß zu Schwarz

Die Dunkelheit liegt uns auf den Fersen und dann, ist sie plötzlich da! Zur Wiederkehr des Nebel und das ewige Nichts um uns herum, kommt nun ein weiteres Element. Die Dunkelheit. Unfassbar einschüchternd legt sie ihren schwarzen Mantel um dich und gibt dir die restlichen Sporen für diesen Tag. Eigentlich nur zur Sicherheit und im letzten Moment noch mitgenommen, müssen wir zur Stirnlampe greifen.

Mir kommt sie in diesem Moment eher vor wie eine STURM-Lampe. Aber das wieder mal nur nebenbei!

Caro mit Lampe

-Stapf, stapf, stapf-  „Verdammt, ich seh nichts. Oh Gott, Mist. Pffffft…pahh, dieser Schnee. Chris, bist du noch da? Chris?“ Und dann steh ich plötzlich allein zwischen Sturm und Schnee, in der Dunkelheit.

Der Moment an dem du dich kraftlos in den Schnee legen möchtest und die Verzweiflung dich wahnsinnig macht, wäre wahrscheinlich an diesem Tag genau dort gewesen! Minuten kommen dir wie Stunden vor und dann,.. taucht Chris auf einmal als ferner Schatten wieder auf. Langsam in meine Richtung stiefelnd, läuft auch er nur noch auf seinen letzten Energiereserven, sein wedelnder Poncho tosend gepackt vom berstenden Wind.

Lichtkegel auf Lichtkegel

Das hier keine Bilder mehr entstanden sind, kann sich wohl jeder vorstellen. In völliger Erschöpfung und in BESTER Strahlemann-Laune stolpern wir die letzten Meter auf die eingeschleierte Wiesenbaude zu und schneiden endlich mit unserem Lichtkegel den der Lucni Bouda. Wieder mal fassungslos landen wir kurze Zeit später plumpsend auf unserem Bett.

Hallo weiches Kissen, komm und drück dich in mein Gesicht.

Abspann mit lauwarmen Nudelbrei

Den ganzen Tag auf der Suche nach einer Schutzhütte für die Möglichkeit einer warmen Mahlzeit aus dem Rucksack, landen wir also im Zimmer und haben…immer noch nichts richtiges gegessen. Klar, Nüsse, Riegel & Co. bringen dich ganz gut über den Tag. Aber sag mal einem Extremsportler, er soll abends nur ein paar Nüsschen und etwas Trockenobst knabbern.

Nudeltopf

Bestens ausgerüstet zieht uns der Brandmelder an der Decke einen Strich durch die Rechnung. Den Brenner kalt gestellt, retten uns nur noch die Teelichter. Eher schlecht als recht erwärmt sich das Wasser und statt Nudeln aldente gibt’s Nudelmatsch mit Trockentomaten, Pesto und Feta, aber der ausgedörrte Sturm-Hiker nimmt ja bekanntlich alles.

Na Bravo! Das Schicksal meint es wohl heut besonders gut mit uns.

Die Route

KarteOutdooractive

Wie es danach weiter geht, warum die tschechische Uhr anscheinend 48 Stunden hat und der erste Tag nur der Anfang der gewaltigen Eis-Reise sein sollte, erfährst du im nächsten Tourenbericht unserer Riesengebirgs-Reihe.

Natürlich gibt’s auch hier nochmal alles rund um deine Tourenplanung für das Riesengebirge. Den Wanderführer, die Karte und die Stirn-Sturm-Lampe von Black Diamond.

 

Was für eine wahnsinnige Kraft die Natur haben kann, lässt man sich fern ab von Sonntagnachmittag Spaziergängen auf ihre breite Gewalt ein. Wahnsinn! Phantastisch! Wo habt ihr die starke Energie der Natur zum letzten mal gespürt und welches Abenteuer könnte man diesem anhängen? Schreibt einfach drauf los! Wir freuen uns über eure Inspirationen.

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Hey, ich bin Caro. Leidenschaftliches Outdoor-Mädchen, chronische Wohnsitznomadin und ständig in Bewegung. Umso entfernter die Couch, desto glücklicher bin ich. Wenn nicht mit der Natur unter den Füßen, entfliehe ich dem Alltag sonst gern mit der Nase in Reiseberichten und Outdoor-Blogs. Planen. Recherchieren. Inspirieren. Auf Bergstorming berichte ich über unsere Reisen und füttere dich mit wertvollen Infos zu Vorbereitungen, Wanderrouten, Hot-Spots und Insides. Komm einfach mit!

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