Ausblick vom Café-Eingang auf Ellenz-Poltersdorf

Moselsteig: Zu Fuß von Reil nach Cochem – Part 2

3. Etappe (16 + ½17) : Neef – Ediger-Eller – Senheim

Möchte ich reisen, ist es für uns das Wichtigste, möglichst soviel wie möglich mitzunehmen aus der Region. Und ja, ich verteufle mich oft, denn die Unterschätzung liegt mir im Blut. Ob die Kilometer, die Höhenmeter oder das Maß an Genuss. Alles wird gnadenlos überrannt und später mit einem verschmitzten Grinsen weggelächelt!

Aber nur wer Fehler macht wird klug! Und außerdem, ausruhen können wir uns in der Kiste! Punkt!

Wissen macht Ahhh!

Diese Etappe ist sehr anspruchsvoll aber so phantastisch, dass sie dich mit Sicherheit herausfordern wird und sogleich vor Begeisterung aus den Latschen reist. Hast du mehr Zeit, belasse es bei der vorgegebenen Etappeneinteilung aus dem Wanderführer und gönn dir ein gutes Glas Moselwein und eine Übernachtung in Ediger-Eller. Hast du sie nicht und bist bewegungssüchtig wie wir, gehe die selbe Strecke, jammere ab dem letzten viertel und lass dich von der verführerisch schönen Mosellandschaft schmerzlindernd umgarnen.

Routendetails

Hoch hinauf geht es aus der wunderschönen Altstadt von Neef über malerische Obstplantagen, bezaubernde Wiesen und auf idyllischen Waldpfaden zum spektakulären Aussichtspunkt in 300m Höhe. Der steilste Weinberg Europas erwartet dich, der Bremmer Calmont. Im Abstieg verabschiedet sich der malerische Anblick auf die Moselschleife mit einen aussichtsreichen aber schmalen Parkour über Stock und Stein, welcher insbesondere Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert. Unten angekommen, folgt ein sehr gut wanderbarer aber längerer Abschnitt, der zunächst durch die engen Gassen von Ediger-Eller und im weiteren Verlauf über eine herrliche Serpentinen-Route direkt in den Weinhängen führt. Ein atemberaubendes und sehr aussichtsreiches Teilstück, das schließlich seinen Abschluss in Senheim findet. Für diese Tour empfiehlt sich etwas häufiger zu pausieren und die Kräfte gut einzuteilen.

Highlights der Etappen 16 und ½17

Bremmer Calmont

Unglaublich bewegend und völlig zeitlos fühlt sich der Moment des Staunens und Schweigens an, in den wir bei der Aussicht am Bremmer Calmont fallen. Mit der bezaubernden Nebelwatte über der Mosel und einer Fernsicht zum dahinschmelzen, fällt es wirklich schwer diesen Ort wieder zu verlassen.

Weg zum Calmont

Bevor ich mir den Mund fusselig rede, schau doch mal in den Calmont-Bericht rein. Dieser enthält alle Highlights und die komplette 16. Etappenbeschreibung.

Und ja, an dieser Stelle in Ediger-Eller hätten wir uns in ein nettes Weinstübchen setzen und den Tag einfach ausbaumeln lassen können. Aber kennst du das auch? Die ständige Unruhe einen Tag am liebsten niemals enden lassen zu wollen!

In Schlengelpfaden durch die Weinberge

Wieder hinab gestöckelt, taumeln wir uns noch völlig beschwingt von der ersten Etappe des Tages über Ediger-Eller in die nächste. Und hier kann es tatsächlich sein, dass es vor allem der Nebel ist, der diesen Moselsteigabschnitt zu etwas so Besonderen macht.

Zunächst durch den weißen Schleier, kommen wir nach etwa 1,5 km auf den mittleren Etagen der Weinberge an. Und was uns hier erwartet, macht uns nicht nur in diesem Moment sprachlos, sondern lässt mich auch heute noch überwältigt schweigen.

Nebel über der Mosel

Mit der Sonne senkt sich der weiße Schleier über dem Wasser und es entsteht eine wildromantische Stimmung, so knisternd und schön, dass ich kaum Worte der Beschreibung finde. Oberhalb der Nebeldecke schweben wir wie ein Flieger über den Wolken, immer wieder tief ergriffen und inne haltend, durch dieses einzigartige Dämmerungsszenerio.

Ein Moment in dem du weißt: „Genau hier, genau jetzt, und nirgends anders!“

Strecke: 18,6  km
Gehzeit: 5-6 Stunden
Gesamt-Aufstieg: ↑626 m

Übernachtung in Senheim

Da Senheim ein sehr überschaubares Örtchen ist, sind die Möglichkeiten hier zu übernachten eher rar gesät. An dieser Stelle können wir unsere eigene Unterkunft leider nicht weiter empfehlen. Im Internet top bewertet, möchte ich dir an dieser Stelle unbedingt vom Haus Zur Brücke abraten (und das nicht weil wir kleinlich sind)! Würden wir noch einmal eine Übernachtung in Senheim buchen wollen, scheint mir für diese Zwecke das Hotel Schützen eine sehr gute Option zu sein. Schau gern mal rein!

Mehr Infos zur Unterkunft und Planung deiner Tour hab ich für dich im Tipp-Artikel zusammengebastelt. Und hast du eigentlich schon die Moselsteig-Etappen 14 und 15 entdeckt? Schau gern rein.

4. Etappe (½17 + 18) : Senheim – Beilstein – Cochem

Momentaufnahme:

Die Luft ist kalt und klar. Ich atme tief ein! Um uns herum eine märchenhafte Kulisse. Eingehüllt in die seichte, kühle Nebeldecke liegt jeder Grashalm, jedes Blatt und alles um uns herum eingehüllt im sanften Schleier der glitzernden Raureifromantik. Selbst die Spinne strickt an diesem Tag ihr Garn auf einem funkelnden Diamantennetz aus Eiskristallen.

Momentaufnahme

Kaum die Erinnerung verarbeitet an den soeben hinter uns gelassenen Beilsteiner Steilkanten-Pfad hoch über der Mosel, stehen wir inmitten von…irgendetwas, der Welt?! Ich finde keine Worte und schließe die Augen, lege den Kopf in den Nacken und lasse mich in diesen wunderbaren Moment fallen, immer einen Schritt vor den anderen. Denn er ist perfekt!

Routendetails

Von Senheim geht es zunächst am beschaulichen Hafen vorbei und im Anschluss wieder in die wunderschönen Weinhänge hinauf, entlang eines informativen Kulturwegs über die Region, dem Mesenicher Steinreichs-Käpp. Danach führt ein schmaler Pfad direkt an der Hangkante entlang durch die bewaldete Briederner Schweiz. Hinauf zur Burg Metternich landet man endlich in der faszinierenden Fachwerkromantik des kleinen Örtchens Beilstein, der einen der schönsten Orte an der Mosel darstellt. Von einer Burg geht es nun zur nächsten. Ein steiler, ausgesetzter Moselsteigabschnitt führt von hier aussichtsreich weiter nach Bruttig-Frankel und nach einem weiteren starken Anstieg durch einen Waldpfad immer wieder mit wundervollen Weitblicken entlang der Mosel nach Cochem. Sowohl durch die Briedener Schweiz als auch der direkt hinter Beilstein liegende Steil-Pfad erfodern hohe Aufmerksamkeit und Trittsicherheit sowie Schwindelfreiheit und festes Schuhwerk. Diese Etappe ist sehr anspruchsvoll und benötigt etwas mehr Durchhaltevermögen. Aber es lohnt sich!

Highlights der Etappen ½17 und 18

Blick zurück nach Senheim

Bis du erst einmal durch Senheim durch und hast den morgendlichen Anstieg geschafft, wird der Moselsteig hier wieder highlight-würdig aussichtsreich mit ganz viel „Wahnsinn“ und „awwwhhh“ schlendern wir die Weinberge entlang!

Mesenicher Steinreichs-Käpp

Etwas regionalen Input hier, ein wenig Steinwissen da und ganz viel Spielerei für die Wander-Kinder! Und schon hat der Pfad der Steine das Herz erobert.

Beilstein, gehen oder für immer bleiben?

Haaaaach… Beilstein! Ein Ort wie eine mittelalterliche Filmkulisse und das in ganz ganz echt! Ich glaube hierhin kommen wir zurück, wenn wir alt sind. Nicht weil es so öde und verstaubt ist, sondern weil Beilstein ein Ort zum bleiben und nie mehr gehen ist. Nicht um sonst wird es das Dornröschen der Mosel genannt.

Ein Ort an dem du unbedingt verweilen musst bei einem Kaffee und Kuchen oder übernachten kannst in einer der wunderschönen Weingut-Pensionen. Oder eben einfach ein Häuschen kaufst und nie wieder fortgehst. Sieh dir die alten Gemäuer an, schlendere durch die engen Gassen und versinke in seiner verschnörkelten und herrlich atmosphärischen Fachwerkkulisse. Hier gibt es das wahre und ungeschminkte Glück, und für uns ein wenig davon zum mitnehmen und verteilen.

Ein bißchen Kloster und ganz viel Café-Stübchen-Ambiente

Womit ich direkt zum nächsten kommen möchte. Das Kloster St. Joseph und insbesondere das Kloster-Café in Beilstein setzt dem ganzen die Kirsche oben drauf. Nimm dir die Zeit und wirf einen Blick in das wunderschöne Bauwerk aus dem 17. Jahrhundert. Und vor allem, schau unbedingt im angrenzenden Café/Restaurant vorbei und lass dich verwöhnen mit einem guten Essen oder hauseigenem Kuchen.

Hierzu ein absoluter Geheim-Tipp! Fragt unbedingt mal nach einer Sitzmöglichkeit in der rundum verglasten Caféstube. Mit seinem kuschligen Kamin und traumhaften Winterbalkon ist es für uns zu einem absoluten Restaurant-Highlight geworden. Und als Ass im Ärmel sorgt die bezaubernde Aussicht auf die Moselschleife noch für die nötige Wander-und-Schlemmer-Impression.

Oh je, wie sehr wünsche ich mich an diesen Ort zurück mit einem heißen Kakao in der Hand und einer duftenden Kartoffelsuppe unter der Nase! Mäowwww!

Von Traumpfaden und Hangkanten

Aus dem himmlischen Ambiente des Cafés purzeln wir raus in ein…was bist du? Ein Filmset oder was? Krasser Lui!

Schnurstracks geht es hinauf auf einen Moselsteigabschnitt, zu welchem ich nur sagen kann: ICH HABE GESUNGEN! Den Wind um die Nase und diese Aussicht vor sich, fühlen wir uns wie Pocahontas und der König der Löwen. Der Moment schafft es tatsächlich einfach alles um sich herum zu vergessen. Wahrscheinlich deshalb auch etwas fotolastig der ganze Abschnitt (wie der komplette Artikel eigentlich, nomnomnom).

Burg Metternich

Und als glänzende Krone über Beilstein, erscheint uns die Burg Metternich auf einmal so viel schöner als von Nah. Leider nur mit Eintritt zu betreten und dazu auch noch an diesem Tag geschlossen, verlieben wir uns erst beim zweiten Blick in die fürstliche Burg von Beilstein. Bei diesem Anblick kann man tatsächlich verstehen warum dieses winzige Dorf mit nur knapp 100 Einwohnern aber malerischen Kulisse tatsächlich schon insgesamt 5 mal in die Filmgeschichte einging.

Der Pfad eng und ausgetreten, mitten durch die Steilhänge der Weinberge hindurch ist mit etwas Vorsicht zu genießen. Über Treppen und quer durch die wilden Weinfelder vorbei verleitet der Ausblick manchmal zu etwas Unachtsamkeit.

Immer wieder treten die Füße dicht an die Hangkante, sodass auch der wenige Gegen-Wander-Verkehr zum Knotenspiel wird!

Mitten in der Natur und vor uns die Mosel, malerisch verschleiert vom kühlen Winternebel. Ich kann dir wirklich nur raten dich zu diesem Traumpfad zu überwinden. Auch ich habe Höhenangst, aber hier oben ist es einfach zu phantastisch um NEIN zu sagen!

Weg von Beilstein nach Bruttig-Frankel

Mit ganz viel Aussicht nach Bruttig-Fankel

Vom Steilkanten-Parkour hinab laufen wir eine aussichtsreiche Etappe bis nach Bruttig-Frankel hinab, vor uns ein bezauberndes Panorama auf die umliegenden Weinberge. Ein wirklich toller Abschluss dieses ersten Teilstücks.

Nebelsuppe mit Glitzerstaub

Na klar, Nebel verdirbt die Sicht! Auf der gesamten Tour und insbesondere auf dem letzten langen Abschnitt nach Cochem sorgt der alte Miesepeter jedoch eher für ein atemberaubendes Natur-Szenario. Und mal ehrlich, kann ein klarer Himmel mit strahlendem Sonnenschein wirklich für so viel Atmosphäre sorgen?

Cochem

Ein echter Pilgerort und auch der Dreh- und Angelpunkt unserer Etappenauswahl, ist natürlich die Reichsburg in Cochem. Schon bei der Anreise bewundert, dürfen wir sie als krönenden Abschluss unserer Reise auf dem Moselsteig endlich mit ganz viel „Ahhh“ und noch mehr „Ohhhh“ mit unter auf einer Burgführung bestaunen.Cochem und seine Reichsburg

Sie ist aber wirklich auch verdammt schön!

Für Madame Reichsburg und ihr wunderschönes Cochem haben wir uns wie anfangs erwähnt einen Extra-Touri-Sight-Seeing-Tag gegönnt und warum der eigentlich viiiiiiiel zu kurz war, erzähl ich dir im Bonusartikel über Cochem. Hach jaaaa!

Übernachtung in Cochem

Der Moment in dem die Tür aufgeht und du feststellst, dass du in diesem phantastischen Zimmer die Nacht verbringen darfst. Deine brennenden Füße auf den Natursteinen einer ebenerdigen Dusche weisst du, es war die richtige Entscheidung. Das ist der Moment in dem ich der Pension Eckerskorn meine vollen 6 Sterne vergebe. Und mal ehrlich, 23 Tageskilometer und insgesamt 70 Wanderkilometer haben ein so schönes Zimmer mit herrlichem Frühstück zu einem Preis von 47€/Person doch wirklich verdient.

Strecke: 23 km
Gehzeit: 7-7,5 Stunden
Gesamt-Aufstieg: ↑698 m

Sachen gepackt?

So und nun bist du dran. Urlaub eintragen und Sachen packen. Die Unterkünfte und alle Vorbereitungen zu der Tour findest du im Tipp-Artikel zum Moselsteig und um deine Tour etwas zu verlängern, schau gern im Moselsteigbericht Part 1 rein. UNd dann kann es schon losgehen!

Warst du schon mal in Cochem? Was sind deine Highlights? Noch besondere Fragen? Hast du Erfahrungen von anderen Etappen und coole Insides für uns? Rein in die Kommentare damit.


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Hey, ich bin Caro. Leidenschaftliches Outdoor-Mädchen, chronische Wohnsitznomadin und ständig in Bewegung. Umso entfernter die Couch, desto glücklicher bin ich. Wenn nicht mit der Natur unter den Füßen, entfliehe ich dem Alltag sonst gern mit der Nase in Reiseberichten und Outdoor-Blogs. Planen. Recherchieren. Inspirieren. Auf Bergstorming berichte ich über unsere Reisen und füttere dich mit wertvollen Infos zu Vorbereitungen, Wanderrouten, Hot-Spots und Insides. Komm einfach mit!

2 Kommentare
  1. antworten scarlet the red 28. März 2017 at 9:13

    Beeindruckende Bilder! Ob nun von den Weinbergen oder der Burg, es sieht einfach wunderschön aus!

    • antworten Chris 28. März 2017 at 10:03

      Vielen Dank! Wir geben uns Mühe 😊

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