Leere Strände und ganz viel Raum

Usedomer Nebensaison – Ruhe oder Langeweile?

Ein wenig verschlafen schaut uns Usedom Mitte März entgegen. Der Wind legt sich ins Gesicht, wir kneifen die Augen zu. Angriffslustig und gnadenlos scharf kriecht er durch die hoffnungsschimmernden Sonnenstrahlen, zwischen die engstehenden Maschen meines Schals hindurch. Noch etwas tiefer die Nase in den Stoff gekuschelt, ziehen wir den Reisverschluss unserer Jacke noch ein Stückchen höher und die Mütze schiebt sich tiefer ins Gesicht.

Möwen und ganz viel Ruhe

Die Haare ganz wirr, fliegen uns die Zotteln panisch über die Stirn. Es ist Nebensaison und irgendwie werden wir das Gefühl der Sonntagsstimmung nicht los. Das ist wohl der Moment, in dem es Chris und mich in eins der noch geöffneten Cafés zieht für einen ersten klaren Gedanken bei Tee und warmer Waffel. Was eigentlich nun tun bei dieser ganzen Langewei…, ähm Ruhe!?

Nebensaison : Langeweile oder Ruheoase?

Usedom ist wohl DIE Insel neben Rügen, auf die es die Deutschen am meisten abgesehen haben. Als kleines Pendant zur unbeständigen und tosendenden Nordsee ist Usedom für ihre glanzvollen Kaiserbäder, ihre beständigere See und seichtere Briese bekannt. Im Sommer jeder Meter Stranddeckenplatz hart zu erkämpfen, staunen wir nicht schlecht über die leergefegte Promenade von Zinnowitz Mitte März. Der Ort scheint einem faltenübersäten Dörfchen zu gleichen statt einem blühendem Urlaubsdomizil.

Im Zuge dieser Beobachtung musste ein Artikel her. Denn ich frage mich ernsthaft, was ist dieses Sonntagsgefühl eigentlich, Ruheoase oder Langeweile? Und was suchen wir eigentlich in der Zeit neben der Hauptsaison an solchen Urlaubsorten?

Ruhe oder Langeweile?

 

Eine Erfahrung mit vielen Erkenntnissen, die wir sicher mit jedem Nebensaison-Neuling teilen und denjenigen verständnisvoll die Hand schütteln, die schon lange die Nebensaison zur persönlichen Hauptsaison deklariert haben.

Genuss statt Langeweile

Entschleunigung gefällig? Hier eine kleine Zusammenfassung wie du innerhalb kürzester Zeit deinen persönlichen Powertank wieder auffüllen kannst. Zusammengefasst in einem Herzensartikel an die Seele und das innere Glück, von mir für dich.

Von mir für Dich

Kapuze hoch und an den Strand

Ja, es ist kalt meine Lieben. Und ja eine laue Brise sieht wohl um einiges anders aus, aber suchen wir die in der Nebensaison denn wirklich? Der Wind rau und die Sonnenstrahlen noch trügerisch, stehen wir eingetüdelt in unsere Zwiebelschicht am Strand von Usedom. Nur wenige Leute waten durch die Gischt, die Luft ganz klar und kühl.

Ruhe! Nur du mit ein paar wenigen Strand-Durstigen um dich herum. Das belebte Sommer-Strand-Treiben ist still geworden, Ruhe ist eingekehrt. Lass dich durchschütteln von der rauen Brise und nimm deine Gedanken mit auf einen Ausflug auf die weite See. Hand in Hand mit meinen Sorgen, mache ich einen klärenden Spaziergang und finde meine Zufriedenheit wieder unter Muscheln. Zieh dich also warm an und fahr ans Meer. Wie ein Peeling reibt es dir den grauen Winter von den Schultern und lässt Luft an die Haut. Der Winterblues fällt wie Hautschuppen von uns ab und wird ersetzt durch ein erstes kleines Sonnenkitzeln unter der Nase.

Fahrradfahren mit Gegenwind

Usedom zeichnet sich vor allem für sein hervorragend ausgebautes Wegenetz für Fahrradfahrer aus. Absoluter Kult im Sommer macht das Radeln vor allem in der Nebensaison Spaß. Die Küstenbrise im Gesicht düsen wir vorbei an Dünen und schlummernden Zeltplätzen, durch stille Waldstücke und über die Küstenroute vorbei an den wunderbaren Seebädern der Insel.

Radeln zwischen Wasser und Wald

In regelmäßigen Abständen lassen wir uns immer wieder gern von Ihnen einladen zu etwas Kaffee und Fisch. Eine unserer absoluten Empfehlungen deshalb: bist du überfuttert von der „augenscheinlichen“ Langeweile, schwing dich auf einen Drahtesel und lass dir den Wind um die Nase pusten. Die Abschnitte durch den Wald sind teilweise etwas herausfordernd. Hier kannst du dich austoben und etwas von deiner überschüssigen Energie abstrampeln. Der Gegenwind nimmt dir die Unruhe und lässt dich danach in eine wohltuende Schwere fallen. Zu müde zum zurück radeln? Kein Problem, mit der Bahn geht’s entlang der Küstenroute wieder zurück.

Heißer Tee und frischer Fisch

Teebeutel

Zugegeben, irgendwann wird jede Brise zur Ärgertrine. Sie kriecht uns unters Shirt, beißt sich fest als Gänsehaut und rote Rübe im Gesicht. Für mich eins der schönsten Dinge in der kalten Jahreszeit. Heißer Tee und gutes Essen. Und das kannst du auch in der Nebensaison immer noch hier und da hervorragend an den Promenaden der Seebäder genießen.

Heißer Tee und warmer Kuchen

Nimm dir die Zeit und lehne dich zurück. Die Insel lädt zum verweilen ein. Da sowieso vieles erst in der Hauptsaison öffnet, hast du nie das Gefühl irgendwann zu irgendeiner Zeit irgendetwas zu verpassen. Der Schwarztee mit Honig wird auf einmal zum Erlebnis und das Stückchen Himbeerkuchen zum Glücksmoment. Die Uhren ticken langsam und du sinkst in die himmlische Gemütlichkeit deines Strandkorbs.

Fisch, Fische, Noch Mee(h)r Fisch

Frische Luft und Bewegung weckt nicht nur den Appetit sondern auch den Hunger. Eins der schönsten Dinge an der Ostsee ist wohl für mich das fabelhafte Essen. Und was wäre denn eine Küstenkind ohne Fisch. Nicht nur der hohe Eiweißanteil macht ihn attraktiv, sondern auch seine Frische. Egal ob als Fischbrötchen, in der Fischsuppe, gebraten oder gekocht. Am allerliebsten in riesigen Mengen – nomnomnom.

Frische Fische fischt Fischers Fritze

Für uns eine der fabelhaftesten Möglichkeiten zur Fisch-Mampferei: Uwes Fischerhütte in Ahlbeck. Kein Schicki-Micki sondern waschechtes Küstenfeeling. Strandblick inklusive. Einfach Pefekt!

Dämme, Reet und Achterwasser

Umschlossen von Land und immer im Rücken der Ostsee liegt das wunderschöne Achterwasser. Etwas zahmer und anschmiegsamer als das Meer umgarnt es uns mit seiner Stille. Statt Wellenrauschen und Seebrücken-Flanieren spazierst du durch eine Landschaft wie aus dem Pastellmalkasten. Hier und da unterbrochen von einsamen Fischerbooten, die ihre Netze einholen und Dämme die dich über tief liegende Wiesen führen.

Hier darfst du noch einen Gang zurück schalten. Steig vom Fahrrad ab, die Pfade sind eh zu holprig. Genieße die Stille und den Blick auf die wundervollen Reetdächer der kleinen Häuschen am Ufer. Das Achterwasser ist für Spaziergänge in dicker Jacke gemacht, eng umschlungen mit dem Lieblingsmenschen geht es durch eine ewig weite Landschaft.

Möwengeflatter und das Spiel mit dem Geben

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist ein echter Klassiker. Aber die wenigsten tun es irgendwie. Ein paar alte Semmeln gepackt und runter ans Wasser. Und ich verspreche dir, mehr Glücklich-Sein geht nicht. Die kleinen Flattermänner taumeln so dicht vor deiner Nase und alles ringt sich um dich herum. Phantastisch.

Es mag wohl Kritiker geben, die das Möwen füttern verteufeln. Und ja, bitte füttert die Tiere etwas entfernt von den Touristenzentren und Seebrücken. Die Fischer und Restaurantbesitzer werdens euch danken. Und dabei ist die Raubtierfütterung doch sowieso etwas abgelegener sehr viel schöner.

Ein kleiner Inside. Die Tiere in der Nähe der Hauptstandorte wie Ahlbeck, Heringsdorf usw. sind furchtloser. Sie kommen näher und sind kecker. Die Flattermänner in Zinnowitz waren etwas zurückhaltender.

Hafenromantik und Schiffsgeschaukel

Zum Wasser gehören Kutter und wo ihr die am besten gucken könnt, ist doch klar! Am Hafen. In der Nebensaison etwas mehr eingepackt und aufgebockt präsentieren sich die Schiffe in einer atmosphärischen Beständigkeit und einem seichten Getaumel auf dem Wasser. Soll es etwas kleiner sein, fahr nach Zinnowitz, Peenemünde oder mein kleiner romantischer Hafen-Favorit: der Stettiner Haff in Kamminke. Hach jaaa!

Für echte Kutter am Strand sorgt dann noch als schickste Lokation das Kaiserbad Ahlbeck mit seinen fast inszeniert wirkenden Fischkuttern. Beinahe etwas unwirklich stehen die attraktiven Fischerboote – schillernd in ihrem Schuppenmantel und waschechten Fischaroma – am Ufer und sorgen bei den Touris für reichlich Aufsehen und Fotoknipserei.

Solls dann etwas mehr Piratenfieber sein, dann schnallt euch fest und rauf auf eins der Adler-Schiffe. Auch in der Nebensaison bietet das Unternehmen Fahrten entlang der Kaiserbäder und durch den Hafen von Swinemünde an. Mehr dazu findest du hier.

Der Klassiker : Muscheldiebe und Bernsteinpiraten

Jeder der seine Kindheit mal an der See verbracht hat, wird dieses Phäomen nie wieder los. Kaum sind wir mit den Füßen am Wasser, richten wir unseren Blick wie blöd nach unten, krümmen unsere Handfläche und fangen an Muscheln zu horten. Und jaaaaa! Macht es meine lieben Küstenkinder. Es ist einfach herrlich. Die Gedanken losgelöst und der Kopf frei. Genießt es und seid wieder Kind.

Für mich die wohl entspannendste Möglichkeit den Geist zu durchlüften und das Glück vor meinen Füßen zu finden. Und manchmal mogelt sich dann eben auch ein kleines Bernsteinchen dazwischen, awwwww! Glückskanone an!

Schietwetter und graue Tage?

Um uns nicht die Laune zu vermiesen, schwingen wir unsere Hintern an solchen Tagen einfach mal ins Auto. Die Insel ist groß. Fahr doch mal etwas ins Inland und werde zum Erkunder. Finde Windmühlen und Aussichtspunkte, abgelegene Cafés oder Gedenkstätten. Usedom hat viel zu bieten, und das nicht nur in der Hauptsaison.

Bockwindmühle bei Pudagla

Wie wär´s mit etwas Wärme und heißem Dampf? Eine besonders exklusive Möglichkeit dem Miesepeterwetter zu trotzen, ist ein Besuch in der Sauna. Pack dir also Badelatschen und -mantel ein und heiz dich so richtig auf. Du belebst deinen Körper und stärkst die Immunabwehr. Alles das was wir brauchen zu dieser Jahreszeit.

Morgenmenschen

Sonnenaufgang in Zinnowitz

Leute. Ja Urlaub ist zum erholen da. Aber statt zu müde vom schlafen zu sein, steht mit mir auf und nutzt den Tag. Wir dürsten in den grauen Tagen nach Licht und bleiben eingetütet unter unserer Bettdecke liegen bis die Wolken kommen und dem Tag die Helligkeit rauben? Nein! Sonnenaufgänge haben ein wahnsinniges Potential und stecken voll von Schönheit und ganz viel Glücksgefühlen. Schau Richtung Osten und warte gespannt auf den ersten Sonnenstrahl, der über die Wasseroberfläche mitten in deinem Gesicht landet. Phantastisch! Selbst wenn die Sonne noch etwas hinter den müden Wolken steckt, die Stimmung am Meer zur blauen Stunde ist so friedlich und still. Probiere es aus, du wirst es lieben.

Ok, du bist ein Langschläfer. Egal! Stell dir verdammt nochmal trotzdem den Wecker und schwing deinen müden Hintern runter ans Wasser. Und mal ehrlich. Siehst du so etwas jeden Tag oder was? Die wenigsten von uns haben dieses Privileg und deshalb reiße ich mir auch mit Lieben ein Bein aus um diese Momente in mich einzusaugen. Die Möwen um dich herum und den Sand unter deinen Schuhen, atme hier tief ein und laufe in Richtung Sonne. Und ein Muss auf deiner Reise an die Küste im Herbst, Winter oder Frühling.

Wellenrauschen am Morgen

Kaiserbäder und Seebrücken-Schlenderei

Im Sommer etwas überrannt, verzaubern dich die Hot-Spots an Tagen wie diesen mit ihrer zurückhaltenden Schönheit und vor allem der ruhigen Gelassenheit.

Seebrücke Heringsdorf

Hier und da lädt uns eins der Cafés ein zum verweilen und die Auswahl an geöffneten Restaurants ist so überschaubar, dass wir nie in das Gefühl rutschen irgendwo noch etwas besseres zu finden. Bleib doch wo es dir gefällt und relax ein wenig. Zugegeben nicht jedes hat geöffnet, aber ab 12:00 Uhr ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass du auf jeden Fall etwas nettes findest. Mein kleiner Tipp für dich. Das Café 1902 in Heringsdorf -Grenzstr. 1- niedlich und urig gemütlich zieht es seine Besucher mit gelassener Strandkorbatmosphäre und leckerem Kuchen in seinen Bann.

Cafe und Hofladen 1902

Auf den Seebrücken hingegen ist die Hölle los. Aber nicht wegen den Küstentouris, sondern wegen den putzigen kleinen und großen Inselbewohnern. Munter belagern sie die Seebrücken und sorgen mit ihrem witzigen Gekrächze für allerlei Unterhaltung und Staunen.

Swinemünde

Kurz und knackig. Ein fabelhafter Ort mit so viel weißem Strand, einem wunderschönen Leuchtturm und herrlich regem Treiben auf der Promenade, phantastischem Essen und, und, und. Die Liste ist lang. So lang, dass wir zwei mal in unserer Zeit auf Usedom Swinemünde besuchen mussten. Ein phantastischer Ort, der beim nächsten Besuch auf Usedom Potential hat, als Basisquartier zu fungieren. Aber mal sehen.

Swinemünde und seine Strände

Von mir für dich

Ohne Anspruch auf Vollkommenheit bespickt mit allerlei Herzensmomente, lege ich dir diese Liebeserklärung an die Nebensaison und die Insel Usedom in die Hände. Der Artikel soll nicht überreden sondern Lust machen auf das, was nach und vor der Hauptsaison kommt. Ruhe. Das Sonntagsgefühl ist nämlich nicht gleichbedeutend mit Langeweile. Das Sonntagsgefühl gibt dir Zeit für dich und rückt die kleinen wunderbaren Glücksmomente des Lebens ins richtige Licht.

Hey, ich bin Caro. Leidenschaftliches Outdoor-Mädchen, chronische Wohnsitznomadin und ständig in Bewegung. Umso entfernter die Couch, desto glücklicher bin ich. Wenn nicht mit der Natur unter den Füßen, entfliehe ich dem Alltag sonst gern mit der Nase in Reiseberichten und Outdoor-Blogs. Planen. Recherchieren. Inspirieren. Auf Bergstorming berichte ich über unsere Reisen und füttere dich mit wertvollen Infos zu Vorbereitungen, Wanderrouten, Hot-Spots und Insides. Komm einfach mit!

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