Ein wenig verschlafen schaut uns Usedom Mitte März entgegen. Der Wind legt sich ins Gesicht, wir kneifen die Augen zu. Angriffslustig und gnadenlos scharf kriecht er durch die engstehenden Maschen meines Schals hindurch. Noch etwas tiefer kuschelt sich die Nase in den Stoff, der Reisverschluss zieht sich höher und wir schieben die Mütze noch weiter ins Gesicht.

Möwen und ganz viel Ruhe

Der Winterschlaf

Als kleines Pendant zur unbeständigen und tosendenden Nordsee ist Usedom für glanzvolle Kaiserbäder, eine beständige See und seichte Briese bekannt. Zwar darf auch an Deutschlands Ostküste im Sommer mit Ellenbogen um den Strandkorb gekämpft werden, dennoch zeigt sich im Frühjahr und Herbst ein ganz anderes Bild. So staunen wir Mitte März nicht schlecht als Zinnowitz uns durch seine geschlossenen Souvenirläden und verschlafenen Fischbuden entgegen blickt.

Die Haare ganz wirr, fliegen uns die Zotteln panisch über die Stirn. Der Usedomer Strand gehört den Möwen, nur wenige Leute finden den Weg hinunter zum Strand. Es scheint als wären wir von einer ewigen Sonntagsstimmung umgeben. Statt ans Wasser zieht es auch uns in eins der wenigen, geöffneten Cafés zu Waffel und Tee. Hier im Warmen beginnen die Gedanken zu kreisen.

Kreativität statt langer Weile

Zusammengefasst in einem Herzensartikel an die Seele wird die Nebensaison auf Usedom auch für dich zur Hauptsaison.

Von mir für Dich

Kapuze hoch und an den Strand

Der Wind rau und die Sonnenstrahlen trügerisch, stehen wir eingetüdelt in einer Zwiebelschicht am Strand. Nur wenige Leute waten durch die Gischt, die Luft ist klar und kühl.

Das Sommer-Strand-Treiben ist still geworden, Ruhe ist eingekehrt. Der Spaziergang am Strand schüttelt dich jetzt ordentlich durch. Doch die Luft schafft auch Platz für neue Gedanken. Wie ein Peeling reibt es die grauen Wintertage von den Schultern. Wundervoll sind die ersten, seichten Sonnenstrahlen im Gesicht.

Fahrradfahren mit Gegenwind

Usedom ist unter Bikern sehr beliebt. Es zeichnet sich vor allem durch sein hervorragend, ausgebautes Wegenetz aus. Als absoluter Kult im Sommer lädt auch der März seine Gäste zum Radfahren ein. Auf der Küstenroute gelangt der Besucher von einem Seebad zum anderen und darf die verblüffende Stille der „Ostsee-Metropolen“ genießen.

Radeln zwischen Wasser und Wald

Die Abschnitte durch den Wald sind moderat bis herausfordernd. Überkommt dich also die Langeweile, findest du hier deine Spielwiese zum auspowern. Der Gegenwind tut sein Übriges und lässt dich danach in die wohltuende Schwere fallen. Zu müde zum zurück radeln? Kein Problem, die Bahn macht es möglich!

Heißer Tee und frischer Fisch

Zugegeben, irgendwann wird jede Brise zur Nervenbündel. Sie kriecht uns unters Shirt, beißt sich fest als Gänsehaut und rote Nase im Gesicht. Für mich eins der schönsten Dinge in der kalten Jahreszeit: Heißer Tee und gutes Essen. Und das kannst du auch in der Nebensaison immer noch hervorragend an den Promenaden der Seebäder genießen.

Heißer Tee und warmer Kuchen

Nimm dir die Zeit und lehne dich zurück. Die Insel lädt zum Verweilen ein. Da sowieso vieles erst in der Hauptsaison öffnet, hast du nie das Gefühl irgendwann zu irgendeiner Zeit irgendetwas zu verpassen. Der Schwarztee mit Honig wird zum Erlebnis und das Stückchen Himbeerkuchen zum Glücksmoment. Die Uhren ticken langsam und du sinkst in die himmlische Gemütlichkeit deines Strandkorbs.

Frische Luft und Bewegung weckt nicht nur den Appetit, sondern auch den Hunger. Eins der schönsten Dinge an der Ostsee ist wohl der Fisch. Sortenreich bekommst du ihn auch in der Nebensaison immer noch im Fischbrötchen, als Fischsuppe, als Bratfisch oder gekocht. Nomnomnom!

Frische Fische fischt Fischers Fritze

Tipp: Uwes Fischerhütte in Ahlbeck. Kein Schicki-Micki sondern waschechtes Küstenfeeling. Strandblick inklusive. Einfach perfekt!

Dämme, Reet und Achterwasser

Im Rücken der Ostsee liegt das Achterwasser. Etwas zahmer und anschmiegsamer als das Meer umgarnt es uns mit seiner Stille. Hier spazierst du durch eine Landschaft wie aus dem Pastellmalkasten. Die Fischer holen ihre Netze ein und du spazierst auf Dämmen, die über tief liegende Wiesen führen.

Steig hier am besten vom Fahrrad ab, die Pfade sind etwas holprig. Der Blick über die zahlreichen Reetdächer lädt einen Moment zum Verweilen ein. Das Achterwasser ist für Spaziergänge in dicker Jacke gemacht, eng umschlungen mit dem Lieblingsmenschen kann der Blick hier sehr weit schweifen.

Möwengeflatter

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen – Möwen füttern! Ein paar alte Semmeln gepackt und runter ans Wasser. Die kleinen Flattermänner taumeln ganz dicht vor der Nase.

Die Fischer und Restaurantbesitzer klagen über das hohe Möwenaufkommen. Unternehme deine „Raubtier-Fütterung“ deshalb am besten etwas abseits der Seebäder und Seebrücken.

Tipp: Die Möwen in der Nähe von Ahlbeck und Heringsdorf sind sehr furchtlos. Die Flattermänner in Zinnowitz sind etwas zurückhaltender.

Hafenromantik und Schiffsgeschaukel

Zum Wasser gehören Kutter! In der Nebensaison etwas mehr eingepackt präsentieren sich manche jedoch auch jetzt noch im seichten Getaumel des Wassers. Soll es etwas kleiner sein, fahr gern nach Zinnowitz, Peenemünde oder zum Stettiner Haff in Kamminke.

Für Perspektiv-Sucher und Hobby-Fotografen hält das Kaiserbad Ahlbeck wunderschöne Fischkutter am Strand bereit.

Muscheldiebe und Bernsteinpiraten

Jeder der seine Kindheit mal an der See verbracht hat, wird das Phänomen nie wieder los. Kaum mit den Füßen am Wasser, richten wir unseren Blick wie blöd nach unten, krümmen unsere Handfläche und fangen an Muscheln zu horten. Und jaaaaa! Macht es bitte, ihr Küstenkinder. Die Gedanken sind losgelöst und der Kopf ist frei.

Das Glück vor den Füßen.

Schietwetter und graue Tage

Bei schlechtem Wetter lohnt es sich zum Erkunder zu werden. Windmühlen, Aussichtspunkte und abgelegene Cafés warten darauf aus dem Winterschlaf zu erwachen.

Bockwindmühle bei Pudagla

Tipp: Eine besonders schöne Möglichkeit dem Miesepeter-Wetter zu trotzen, ist ein Besuch in der Sauna. Gerade im Winter und Frühjahr bringt es den Kreislauf auf Trapp und stärkt zudem die Immunabwehr. Auch auf Usedom locken zahlreiche Anbieter und Hotels mit dem wohltuenden Dampf.

Raus aus den Federn

Sonnenaufgang in Zinnowitz

Es dürstet in den grauen Tagen oft nach Licht. Nutze deshalb auf Usedom den Sonnenaufgang. Phantastisch! Selbst wenn die Sonne noch etwas hinter den müden Wolken steckt, die Stimmung am Meer zur blauen Stunde ist so friedlich und still. Probiere es aus, du wirst es lieben.

Mit den Füßen im Sand und der Nase im ersten Lichtstrahl des Tages – Wundervoll!

Wellenrauschen am Morgen

Seebrücken-Schlenderei

Im Sommer etwas überrannt, verzaubern dich die Hot-Spots zur Nebensaison mit einer eher zurückhaltenden Schönheit.

Seebrücke Heringsdorf

In der Nebensaison geöffnet

Die Auswahl an geöffneten Restaurants und Cafés ist überschaubar. Jedoch verführt dich auch nichts dazu in die Qual der Wahl zu kommen. Gefällt es dir irgendwo, bleib einfach dort. Ab 12:00 Uhr sind die meisten Lokale geöffnet.

Tipp: Das Café 1902 in Heringsdorf ist eine echte Perle unter den Kaffee-Stübchen. Sehr gemütlich zieht es den Besucher mit gelassener Strandkorbatmosphäre und leckerem Kuchen in seinen Bann.

Cafe und Hofladen 1902

Swinemünde

Die polnische Seite der Ostsee ist der Gastgeber. Hier triffst du auf weißen Strand, einen beeindruckenden Leuchtturm und eine gastfreundliche Promenade gefüllt mit allerlei Fisch-Restaurant. Ein bezaubernder Ort, der selbst als Basisquartier für den Ostsee-Urlaub hervorragend geeignet ist.

Swinemünde und seine Strände

Caro

Caro

Hey, ich bin Caro. Outdoor-Mädchen, ewige Wohnsitznomadin und Teufels-Weib. Wiese, Wald und Welt sind mein Zuhause. Bei Bergstorming schreibe ich mit Schelm zwischen den Zeilen am liebsten über Wanderrouten und finde für dich die wichtigsten Hot-Spots der Region.

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